Thilo Sarrazin verlässt die Bundesbank auf eigenen Wunsch

10. September 2010

„Für mich ist es ein strategischer Rückzug“, sagte Sarrazin.

Berlin – Die Lesung im Potsdamer Nikolaisaal war seit Wochen ausverkauft. Draußen Buhrufe der 150 Demonstranten, drinnen Bravo-Jubel der 750 Gäste. Thilo Sarrazin (65) betrat erst nach 20 Uhr die von 12 Sicherheitsleuten flankierte Bühne. Er lächelte, unterbrach den Applaus: „Warten Sie doch ab, Sie wissen doch gar nicht, was ich sagen werde…“

EINE HALBE STUNDE SPÄTER WURDEN ALLE IM SAAL ZEUGEN SEINES RÜCKTRITTS ALS VORSTAND DER DEUTSCHEN BUNDESBANK.

Sarrazin las aus seinem umstrittenen Buch „Deutschland schafft sich ab“ vor, aber nur einige wenige Sätze. Gegen 20.50 Uhr – die Diskussion lief bereits – wurde dem Moderator Ralf Schuler ein Papier gereicht. Die erste Eilmeldung der Nachrichtenagentur afp: „Bundesbank trennt sich Ende des Monats von Vorstand Sarrazin.“

Er las es, stutzte, legte das Blatt weg, sagte dann: „Herr Sarrazin, die Agenturen melden Ihren Rücktritt als Bundesbankvorstand.“ Ein Raunen im Saal.

Sarrazin: „Mir ist diese Meldung nicht bekannt.“ Der Moderator: „Wieso weichen Sie mir in dieser Frage jetzt aus?“ Sarrazin holte tief Luft: „Gut, dann sage ich es hier jetzt zum ersten Mal: 1. Der Bundesbankvorstand hält die Vorwürfe gegen mich, ich hätte mich gegen Ausländer diskriminierend geäußert, nicht aufrecht und zieht sie zurück. 2. Der Bundesbankvorstand hat beim Bundespräsidenten den Antrag, mich vom Amt zu entheben, zurückgezogen. 3. Erst danach habe ich den Bundespräsidenten gebeten, mich zum 30. September vom Amt zu entbinden. Die Reihenfolge ist wichtig“, betonte er.

Viele der Zuschauer waren geschockt, aber jeder seiner Sätze wurde von unterstützendem Applaus unterbrochen.

Sarrazin wirkte danach wie gelöst, beantwortete Fragen des Publikums, sagte: „Für mich ist es ein strategischer Rückzug, um jetzt die Themen zu bearbeiten, die mir wichtig sind. Von den Aussagen in meinem Buch habe ich nichts zurückzunehmen. Ich hatte an die 1000 Briefe an mich persönlich bei der Bundesbank, davon waren ganze 16 negativ.“

Und weiter: Er habe in den vergangenen 14 Tagen „massiven Druck“ gespürt. „das war für mich nicht einfach.“ Er habe sich überlegt, ob er es sich leisten könne, sich „mit der gesamten politischen Klasse in Deutschland anzulegen. Die Diskussion hält auf Dauer keiner durch“. Jetzt könnten die Leute nicht mehr sagen: „Der Bundesbankvorstand hat gesagt…“, sondern „Sarrazin hat gesagt… Damit kann ich leben.“

Nach BILD-Informationen gingen der Entscheidung heftige Diskussionen voraus. Bundesbankchef Weber soll großen Druck ausgeübt haben, damit Sarrazin schon in diesem Monat und nicht erst zum Jahresende „freiwillig“ ausscheidet.

Noch am Abend reagierte auch Bundespräsident Christian Wulff, der gerade aus der Schweiz nach Berlin zurückgekehrt war. Sein Sprecher Olaf Glaeseker erklärte: „Der Bundespräsident wird dem Antrag von Herrn Doktor Sarrazin entsprechen und begrüßt die einvernehmliche Lösung mit der Deutschen Bundesbank.“

Die Soziologin Necla Kelek, die Sarrazins Buch in Berlin vorgestellt hatte zu BILD: „Ich bedauere das sehr – für die Bundesbank, die einen guten Vorstand verliert! Die Entscheidung von Thilo Sarrazin kann ich jedoch sehr gut verstehen – bei all dem, was über ihn hereingebrochen ist.”

Als die Gäste kurz vor 22 Uhr den Saal verließen, wurden sie von einer johlenden Demonstrantenmenge empfangen und mussten sich als „Nazis“ beschimpfen lassen.

(c) BILD.de

Dieser „kontrollierte“ Rückzug ist verständlich aus der Sicht des Herrn Sarrazin aber leider verhindert er damit eine Beobachtung, ob sich der Bundespräsident Wulff demokratisch verhalten hätte. Hätte Wulff Sarrazin „rausgeschmissen“, würder Wulff sein wahres Gesicht hinter seiner „Grinsermaske“ zeigen, – schade!!!

Aber es werden sicherlich noch andere Aktionen kommen, an denen man feststellen wird, ob der Wulff was taugt oder ob er nur eine Marionette der CDU ist.

Jetzt liegt der „Ball“ wieder bei der SPD! Mal sehen wie Gabriel mit diesem Thema weiter verfahren wird. Denn auf die flankierende Unterstützung der CDU, kann er ja nun nicht mehr hoffen.

Hoffentlich stiehlt uns Sarrazin nicht hier auch wieder die Show!

NUR IN SCHWIERIGEN FÄLLEN ZEIGT SICH, OB DIE POLITIKER DEMOKRATISCH MITEINANDER UMGEHEN!!!

Wie auch immer, das Verhalten des Parteivorsitzenden der SPD hat schon jetzt gezeigt, wie man in der SPD mit „unliebsamen“ Genossen umgeht und die Quittung dafür hat die SPD vom Volk ja schon zu spühren bekommen.

Also, nur zu ihr Genossen, zeigt mal euer wahres Gesicht!

Herr Sarrazin, schalten Sie Ihre HomePage wieder an, nachdem Sie sie von dem „braunen Sumpf“ bereinigt haben.

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