Auch wenn es in Griechenland kein Referendum über das Euro-Rettungspaket gibt, kann es dort zum Staatsbankrott kommen. Oder zum Austritt aus dem Euro. Die Wirkung reichte weit über die Grenzen von Hellas hinaus.

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FÜR GRIECHENLAND

Nur kurzfristiger Spielraum
Kommt das von Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU beschlossene Sanierungsprogramm in Griechenland nicht zum Zuge, wäre der Staat binnen kurzer Zeit zahlungsunfähig. Verbindlichkeiten der Griechen von fast 360 Milliarden Euro – mehr als 200 Milliarden Euro bei ausländischen Gläubigern – wären weitgehend verloren. Die Regierung könnte versuchen, ihr Heil in einem Austritt aus der Euro-Zone zu suchen und die Drachme wieder einzuführen. Die neue alte Währung würde Experten zufolge um mindestens 50 Prozent zum Euro abgewertet. Das gäbe den Griechen kurzfristig geld- und fiskalpolitischen Spielraum, denn der Staat könnte seine Löhne und Renten bezahlen, indem er die eigene Notenpresse anwirft, er könnte Lücken im Haushalt decken oder die Banken stützen. Außerdem würde sich die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft schlagartig verbessern, weil sich griechische Produkte im Ausland massiv verbilligen würden. Doch die Wirtschaft ist enorm schwach, die Produktivität gering. Und die Handlungsfreiheit, die die eigene Währung den Griechen gäbe, ist nur theoretisch. Denn schon die Ankündigung, sich vom Euro verabschieden zu wollen, würde zu einer massiven Vertrauenskrise und wirtschaftlichen Depression führen. Das griechische Bankensystem stünde vor dem Kollaps. Denn die Griechen würden ihre Bankeinlagen abziehen und stattdessen Euro-Bargeld halten oder Bankguthaben im Ausland. Die Regierung müsste zu Kapitalverkehrsbeschränkungen greifen und Obergrenzen einführen, wie viel die Bürger pro Woche abheben dürfen. Die Ausfuhr von Geld in andere Länder würde untersagt. Zusätzlich müssten die griechischen Banken die Anleihen ihres Staates im Bestand um mindestens 50 Prozent abschreiben. Weil die griechischen Geldinstitute keine werthaltigen Sicherheiten mehr zu bieten hätten, wäre ihnen der Zugang zu Zentralbankgeld verschlossen. Internationale Zocker würden sich auf die Drachme stürzen und gegen die griechische Wirtschaft spekulieren.

FÜR DAS RESTLICHE EUROPA
Die Ansteckungsgefahr ist weiterhin groß
Wie groß die Ansteckungsgefahr ist, die von einem Kollaps Griechenlands ausgeht, war am Donnerstag an den Anleihemärkten zu beobachten. Italienische Staatsanleihen waren so wenig wert wie noch nie: Investoren verlangten für die Schuldpapiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren zwischenzeitlich eine Rendite von 6,402 Prozent. Das lag deutlich über dem bisherigen Höchststand von August – was die Europäische Zentralbank (EZB) dazu veranlasst hatte, erstmals in den Markt stützend einzugreifen und italienische Anleihen aufzukaufen. Die steigenden Zinsen, die europäische Schuldenstaaten den Investoren heute schon bieten müssen, geben einen Vorgeschmack auf ein Horrorszenario: Während die Ratingagenturen nach und nach die Bonitätsnoten von Portugal, Spanien, Italien oder Frankreich (womöglich auch Deutschland) senken, wetten potente internationale Spekulanten auf weitere Pleiten im Euro-Raum. Auch in den gefährdeten Ländern würden die privaten Sparer nervös, die Geldhäuser müssten einen Run der Kunden auf ihre Konten fürchten. Kritisch würde die Lage wohl vor allem für Italien und Spanien, die 2012 ein enormes Volumen an Staatsanleihen am Markt refinanzieren müssen. Rechnet man den Kapitalbedarf der Jahre 2012 bis 2014 zusammen, braucht Italien nach Berechnungen der DZ Bank insgesamt 956 Milliarden Euro, Spanien 453 Milliarden Euro. Angesichts dieser riesigen Summen kann jeder Prozentpunkt mehr, den die Länder für Zinsen bezahlen müssten, lebensbedrohlich werden. Verständlich, dass sich die „großen Länder“ der Euro-Zone Mut zusprechen. Der Währungsraum könne ein Ausscheiden Griechenlands verkraften, sagte am Donnerstag der französische Europaminister Jean Leonetti.

FÜR DIE GLÄUBIGER
Explosion des Finanzsystems mit weltweiten Erschütterungen
Ein Austritt der Griechen aus dem Euro wäre nicht nur für die griechischen Banken eine Katastrophe, denen die Athener Regierung nach unterschiedlichen Angaben zwischen 50 und 75 Milliarden Milliarden Euro schuldet. Der französische Europaminister Jean Leonetti sprach am Donnerstag von einer „Explosion“ des griechischen Finanzsystems. Sie würde in ganz Europa und weltweit für Erschütterungen bei weiteren Gläubigern sorgen. Denn vor allem die im Ausland platzierten und in Euro notierten Anleihen wären „akut ausfallgefährdet“, wie die BHF-Bank schreibt. Nach Berechnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hatten ausländische Banken gegenüber Griechenland (öffentlicher Sektor, Banken, Unternehmen) Mitte 2011 Forderungen von etwa 100 Milliarden Euro. Darüber hinaus schulden private griechische Emittenten (vor allem Banken) ausländischen Anleihegläubigern rund 155 Milliarden Euro. Verbindlichkeiten in Höhe von 110 Milliarden Euro in Form inländischer Anleihen kommen hinzu. Bei einem vollständigen Ausfall dieser Anleihen und Kredite würden die Kernkapitalquoten der 90 Banken, die am EU-weiten Stresstest teilgenommen haben, nach Schätzungen der Commerzbank im Schnitt deutlich auf 8,6 Prozent sinken. „In der Summe würden die Banken im Euro-Raum dies wohl verkraften“, schreiben die Analysten, „auch, wenn es sehr schmerzhaft wäre.“ Dies würde aber nicht mehr gelten, wenn sich größere Länder bei den Griechen ansteckten.

FÜR DEUTSCHLAND
Der Dominoeffekt könnte teuer werden
Fielen die Griechen aus dem gemeinsamen Währungsraum, wäre dies für Deutschland allein noch kein Drama – gäbe es den europaweiten Dominoeffekt nicht. Deutsche Banken sind in Griechenland nominell mit insgesamt zwölf Milliarden Euro engagiert, haben einen Großteil ihrer Kredite und Staatsanleihen aber inzwischen abgeschrieben. Hinzu kommen 13,5 Milliarden Euro an direkten Krediten, die Deutschland den Griechen im Rahmen der bisherigen Hilfsprogramme gewährt hat. Weitere Kosten sind durch Deutschlands Beteiligung an der Europäischen Zentralbank möglich, die griechische Staatsanleihen besitzt. Würden sich allerdings zum Beispiel Spanien und Italien anstecken und ins Straucheln geraten, fielen sie auch als Zahler in den europäischen Rettungsfonds aus. Neben fällig werdenden Garantien kämen zusätzliche finanzielle Belastungen auf die Deutschen zu. Die stärkste Volkswirtschaft Europas wäre weltweit als Garant für die Stabilität des Euro gefragt und müsste sicherlich mit höheren Beteiligungen an den Rettungsfonds rechnen. Der Wirtschaftswissenschaftler Clemens Fuest skizzierte jüngst eine solche Situation, in der Deutschland oder die EZB „europaweit für die Staatsfinanzen und Bankeinlagen“ garantieren müssten. Die Bundesregierung sieht sich unterdessen nach Einschätzung von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle für eine mögliche Staatspleite Griechenlands gewappnet. „Selbstverständlich ist die deutsche Regierung auf solche Situationen vorbereitet“, sagte Brüderle am Donnerstag dem Sender N24. Die Regierung müsse immer einen Plan B oder C im Kopf haben. Wie diese genau aussehen, ließ Brüderle allerdings offen.

FÜR DIE WELTWIRTSCHAFT
Selbst USA fürchten Rezession
Eine Erosion des europäischen Währungsraums und milliardenschwere Belastungen für die soliden Länder in „Kern-Europa“ würden eine Rezession in Europa auslösen, die zwangsläufig Folgen für die Weltwirtschaft hätte. Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G 20) hoben am Donnerstag deshalb auf ihrem Gipfeltreffen in Cannes die Unsicherheiten auf den Finanzmärkten sowie die Risiken in Europa hervor. Allerdings ist schwer zu quantifizieren, wie gravierend die Wirkungen auf die Volkswirtschaften in China oder in den USA wären. Der Chefvolkswirt der US-Investmentbank Goldman Sachs, Jan Hatzius, warnte dieser Tage im Tagesspiegel-Interview vor einer Eskalation der Euro-Schuldenkrise. Sollten die Probleme der Europäer aus dem Ruder laufen, könne dies auch in den USA eine Rezession auslösen – obwohl Amerika nur etwa zwei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts nach Europa exportiere. Realwirtschaftlich überschaubar wären wohl die Folgen eines Griechenland-Austritts aus dem Euro für die Handelsbeziehungen mit China. Aber: Die Europäer setzen im Kampf gegen die Schuldenkrise auch auf Geldgeber aus Drittstaaten – darunter das devisenstarke China, das bis zu 100 Milliarden Euro investieren könnte. Damit der Hebel für den Rettungsfonds funktioniert, müssen private Investoren europäische Staatsanleihen kaufen. Gäbe es weltweit Zweifel an der Stabilität des Euro, wäre die Bereitschaft, in Europa zu investieren, deutlich geringer. Auf dem G-20-Gipfel in Cannes deutete sich diese wachsende Skepsis bereits an.(c)tagesspiegel.de

Die Seite 1 enthällt nur allgemeine Informationen, daher haben wir sie hier weggelassen, kann aber auf dem Original zurückgeholt werden.

Dieser Beitrag des Tagesspiegel ist eine sehr gute Information darüber, womit wir Deutschen rechnen müssten, wenn Griechen das „Handtuch schmeissen“.

Wie schon an anderer Stelle hier im BLOG berichtet, ist die weltweite finanzielle Verflechtung der einzelnen Länder so stark voran geschritten, dass „Bankrotterklärung“ eines einzelnen Staates eine nicht überschaubare „Lawine“ auslösen würde, die AUCH Deutschland begraben könnte.

Ein Austritt Deutschlands aus dem Euro, wie von einigen „Fachleuten“ gewünscht wird, würde fast die gleichen Risiken ergeben, wie die für Griechenland. (siehe oben) Daher: VORSICHT vor solchen Spekulanten!!!

Die Globalisierung der Welt ist NICHT mehr umkehrbar oder würde nur zu Wirtschaftskriegen führen. Daher braucht es Wirtschafts- und Finanzfachleute und KEINE SHOW-POLITIKER, wie oben erwähnt.

AUCH DEUTSCHLAND IST MIT DER HÄLFTE SEINES VOLKSVERMÖGENS VERSCHULDET !!!

Wird auch noch die andere Hälfte verzockt, dann ist es vorbei mit dem Euro. (siehe dazu hier)

UPDATE: GOLD oder GELD

15. August 2011

Hendrik Leber, Acatis sagt:

„Zwei Krisen kommen noch”

Wie geht es weiter?

Die Aktienmärkte werden sich in naher Zukunft nicht beruhigen. Zu den Krisen in Europa und den Vereinigten Staaten gesellen sich demnächste zwei weitere. Japan ist schon jetzt extrem verschuldet. In China wächst eine gigantische Immobilienblase heran.

Muss ich jetzt Gold kaufen?

Davon sollten Anleger lieber die Finger lassen. Gold ist ziemlich spekulativ. Da weiß man nie, wohin der Preis langfristig treibt. Von daher rentieren sich Anlagen in Gold in den seltensten Fällen.(…)(c)faz.net

Wer uns nicht glaubt, sollte wenigstens dem Fachmann, Hendrik Leber, glauben, anstatt einem „Enthüllungsjournalisten“, Grandt/KOPP.

(siehe auch unseren Artikel)

GOLD oder GELD ???

9. August 2011

„Der Finanzmarkt ist außer Kontrolle“

Börsencrashs und Finanzmarktkrisen hat es immer wieder gegeben. Doch das, was wir momentan erleben, habe eine andere Qualität, sagt der Wirtschaftshistoriker Abelshauser im Interview mit tagesschau.de. Denn zum ersten Mal seien auch Staaten in die Krise an den Märkten verwickelt.

tagesschau.de: Die Aktienmärkte haben innerhalb nur einer Woche 2,5 Billionen Dollar an Wert verloren – das klingt viel. Ist das ungewöhnlich in der Geschichte?

Werner Abelshauser: Nein, gerade in der jüngsten Vergangenheit ist der Finanzmarkt immer öfter außer Kontrolle geraten. Mitunter kam es sogar vor, dass der Dow Jones an einem einzigen Tag 22 Prozent des Börsenwerts verloren hat.

Nach dem großen Crash von 1929 hielt eine solche Schwäche sogar zwei Jahre an, um 1931 in den Zusammenbruch der Weltwirtschaft zu münden. Zuvor hatte die Börse seit 1921 geglaubt, alles unter Kontrolle zu haben. Und dann brachen die Kurse ein.

tagesschau.de: Waren vor 80 Jahren die weltweiten Finanzmärkte überhaupt ähnlich miteinander verflochten wie heute?

Abelshauser: Die Verflechtung der Finanzmärkte beginnt schon im 19. Jahrhundert. Von 1860 bis zum ersten Weltkrieg haben wir eine erste Phase der Globalisierung, in der es über den Goldstandard in Europa und den USA feste Wechselkurse, also eine Art Weltgeld gibt, und keine Grenzen für Kapital, Arbeit und Waren. Das hat funktioniert, weil es klare Regeln gab.

tagesschau.de: Warum ist der Finanzmarkt heute außer Kontrolle geraten?

Abelshauser: Die expandierende Finanzwirtschaft hat Wege und Methoden gefunden, einen kurzfristigen Gewinn zu erzielen und dabei keinerlei Kontrolle zu unterliegen. Dies ist hoch riskant und führt immer wieder dazu, dass der Kapitalmarkt entgleist.

tagesschau.de: Welche Krisen gab es in den letzten Jahren?

Abelshauser: Es gab dutzendweise Finanzkrisen, von der Mexiko-Krise über diverse Zusammenbrüche der asiatischen Märkte bis hin zum Platzen der New Economy und der noch anhaltenden Finanzmarktkrise von 2008.

tagesschau.de: Ist die derzeitige Krise mit diesen vergleichbar, oder hat sie eine besondere Qualität?

Abelshauser: Aus meiner Sicht hat sie eine besondere Qualität, weil nämlich zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte auch der Staat seine Handlungsfähigkeit zu verlieren droht. In der Krise von 2008 und 2009 hat die Politik souverän und erfolgreich reagiert. Ihr Vertrauenskapital war unverbraucht, so dass die Kanzlerin damals alle Sparkonten garantieren konnte – und die Leute haben es geglaubt.

Diese Handlungsfähigkeit steht heute im Zweifel, weil die Staaten hoch verschuldet sind. Die amerikanische Krise ist zwar in der vergangenen Woche angeblich gelöst worden, allerdings glaubt niemand so richtig daran, dass diese Lösung von Dauer ist. Und die europäische Krise, eine Krise der Stabilität des Euroraums, ist vor zwei Wochen mit großem Pomp beerdigt worden. Man muss aber kein Experte sein, um zu wissen, dass der Dauerstress anhält.

tagesschau.de: War das abzusehen, dass die Finanzmarktlage sich so entwickelt?

Abelshauser: In gewisser Weise schon. Weder Washington noch Brüssel sind bereit, das Übel an der Wurzel zu packen. Anleger wollen aber Sicherheit. Ansonsten investieren sie nicht.

tagesschau.de: Kann es denn für die Finanzmarktkrise überhaupt eine Lösung geben, und wie sähe die aus?

Abelshauser: Es handelt sich ja sowohl in den USA als auch im Euroraum hauptsächlich um eine Schuldenkrise. In der Theorie gibt es eigentlich nur vier Möglichkeiten, die Schuldenfrage zu lösen. Die eine wäre, die Schulden zu tilgen. Eine komplette Schuldentilgung hat es zuletzt im Jahr 1835 in den USA gegeben. Seitdem ist es völlig absurd, davon auszugehen – und es wäre nicht hilfreich, weil wir damit eine ständige Deflationsquelle hätten.

Die zweite Möglichkeit ist, auf ein hohes Wirtschaftswachstum zu setzen. Allerdings wissen wir, dass die führenden Wirtschaftsnationen, die am meisten involviert sind, durchschnittlich nicht mehr als zwei Prozent wachsen. Mehr ist einfach nicht drin.

Die dritte Möglichkeit ist Inflation. Wir haben eine geplante Inflation von zwei Prozent, die jetzt gerade überschritten sind. Zusammen mit dem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent hätten wir in 17,5 Jahren die Schuldenlast halbiert – wenn sich sonst nichts ändert. Das ist eine ganz einfache Rechnung. Die Schmerzgrenze der Inflation liegt in Deutschland bei sechs Prozent, damit ließe sich die Schuldenlast in der gleichen Zeit sogar auf ein Viertel reduzieren.

Die vierte Möglichkeit läge darin, Schulden zu konsolidieren. Die Staatsschulden werden zu relativ hohen Zinssätzen aufgenommen, die in Deutschland zwischen drei und vier Prozent liegen. Fänden sich genug Gläubiger, die bereit wären, Staatsanleihen zu einem Zinssatz von nur einem oder zwei Prozent zu kaufen, dann könnte man Schulden konsolidieren: Die Belastung würde sinken. Das passiert übrigens bereits: Der Anteil der Staatseinnahmen, der zur Finanzierung der Zinsbelastung aufgewendet werden muss, hat sich während der laufenden Krise von 18 auf 13 Prozent reduziert. Staatspapiere sind in Deutschland stark nachgefragt, beispielsweise von Leuten, denen Gold zu riskant ist.

tagesschau.de: Deutschland hat im 20. Jahrhundert zwei Kriege verloren, dazu kam die Wiedervereinigung. Trotzdem gehören wir nicht zu Europas Sorgenkindern. Wie hat das Land das bewältigt?

Abelshauser: Deutschland ist außergewöhnlich wettbewerbsfähig am Weltmarkt für nachindustrielle Qualitätsproduktion. Diese Fähigkeit haben nicht viele Wettbewerber. Außerdem sind wir die inneren Staatsschulden in der Währungsreform von 1948 losgeworden. 93,5 Prozent der Reichsmarkbestände wurden enteignet und vernichtet. Nur der Rest, also 6,5 Prozent wurde in D-Mark umgetauscht. Damit konnte man einerseits eine Inflation abwenden, zum anderen hat der Staat sich so entschuldet. Erst mit der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit in den Siebzigerjahren und natürlich besonders mit der Wiedervereinigung hat man wieder Schulden angehäuft.

tagesschau.de: Wäre ein solcher Geldschnitt auch eine Möglichkeit für Griechenland oder die USA?

Abelshauser: Nein. Das Problem liegt dort anders. Für Griechenland wäre die einfachste Lösung, die Währung abzuwerten, beispielsweise um ein Drittel. Die Aufenthaltskosten in Hotels würden sofort günstiger werden als in der Türkei, und auch der Preis von Waren, vom Ouzo bis zum Schiffsbau, würde um ein Drittel sinken. Das wären Wettbewerbsvorteile für das Land.

Aber Griechenland ist ja längst nicht mehr das einzige Problem: Ein Land wie Italien kann man nicht mehr über europäische Umlagen stabilisieren. Das geht nicht, das wiegt wirtschaftlich zu schwer. Deshalb bin ich langfristig sehr skeptisch, ob sich der Euro in dieser Form erhalten lässt.

Das Gespräch führte Anna-Mareike Krause, tagesschau.de(c)tagesschau.de

Zur Person Abelshauser:
Prof. Werner Abelshauser, Jahrgang 1944, leitet an der Universität Bielefeld den Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte und hat zahlreiche Bücher zum Wandel der deutschen Industrie und Wirtschaft verfasst. Sein Buch „Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945“ gilt als Standardwerk. (siehe:wikipedia)

Das ist der gravierende Unterschied – Wissen vs. Fantasie.

Oder anders ausgedrückt: Abelshauser vs. Grandt

oder noch anders ausgedrückt: Wirtschaftshistoriker vs. Enthüllungsjournalist

Wem soll man denn nun glauben?

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, da „irgendwie“ beide eine Schnittmenge haben. Im Zweifelsfall würde ich da eher mich für einen studierten Professor entscheiden, denn für einen „Fantasten“.

Was aber soll nun dieser Vergleich?

Dem Kleinsparer oder dem Volk nützen „reisserische“ Artikel gar nichts, wenn sie nur darauf abzielen, den Leser/in zu verunsichern, nur der Publikationsquote wegen. Da sind dann schon eher „nüchterne“ Analysen gefragt um zu entscheiden, investiere ich in Gold oder Geld.

Geld kann man von heute auf morgen vernichten – Gold behält immer einen gewissen Nominalwert.

Was aber nützt mir dieser Nominalwert, wenn ich dafür nichts mehr kaufen kann, weil keiner Gold essen kann?

D.h., im Ernstfall, wenn das Geld vernichtet ist, kann ich Gold nicht essen! Essbares kaufen ist dann aber auch nicht mehr möglich, weil kein Bauer seine Lebensmittel gegen Gold hergibt, weil der eben auch nicht Gold essen kann.

Also lohnt sich der Wechsel vom Geld zum Gold nur für „Spekulanten“, die darauf hoffen, dass irgendwann wieder Geld einen Wert bekommt, der sich an dem Goldwert orientiert. Und wer glaubt (weil bei KOPP propagiert) Gold kaufen zu müssen, der sollte bedenken, dass der Goldpreis im Moment exorbitant hoch ist und wenn alle wieder verkaufen wollen einen Absturz erleben wird, wie bei Aktien.

Gold und Aktien kauft man bei Niedrigpreisen, nicht bei Höchstpreisen!

Betrachtet man nun den Aktienmarkt, so ist festzustellen, dass eine gewisse Hysterie ausgebrochen ist, woran liegt das?

Nun, viele Aktienhändler (Investoren) handeln Aktien mittels automatisierten Anlageprogrammen, die bei Unterschreiten eines gewissen Niedrigstwert (low-level) automatisch die Aktie zum Verkauf am Aktienmarkt/Börse anbieten. Noch eher der Anleger mitbekommen hat, dass „quasi-über-Nacht“ sein persönlicher Low-Wert unterschritten wurde, ist die Aktie schon weg.

Andersherum ist es genau das gleiche, wird der „Kaufwert“ erreicht, kauft die Software automatisch eine vorgegebene Menge Aktien ein.

Die „Kunst“ ist es nun, die Automatik so zu limitieren, dass keine „Zufallsverkäufe“ statt finden können/sollen.

Weiterhin spielen die persönlichen „Gefühle“ der Anleger eine gewisse Rolle, überhitzen die finanzwirtschaftlichen Nachrichten den Aktien- oder Geldmarkt, dann reagieren die Anleger eben befangen und lassen sich zu emotionalem Handeln hinreissen., was fallende oder auch übersteigerte Kurse bedeutet.

Insofern hat also „das Merkel“ Recht, wenn sie versucht auf die EURO-Situation „beruhigend“ einzuwirken!

Natürlich darf man dabei die Tatsachen nicht aus dem Auge verlieren – aber eben mit Bedacht handeln und nicht euphorisch.

Wer Aktien besitzt, bekommt dieser Tage bestimmt „heisse Füsse“, denn die Kurse fallen extrem aufgrund der obigen Situationsbeschreibung.

Kein „vernünftiger Mensch“ würde auf die Idee kommen, JETZT seine Aktien zu verkaufen – nur eine Software macht das.
Von daher haben wir nicht ein Wirtschaftsproblem, weil der Wert der Firmen, die die Aktien ausgegeben hat ja nicht geringer geworden ist, sondern ein Spekulationsproblem.

D.h., die ganze „Finanzkrise“ ist eine Spekulationskrise, wie schon beim Immobilien-Crash 2008.

Griechenland und andere EU-Schuldenländer sind kein Wirtschaftsproblem, sondern eine Spekulationsproblem! Solange es möglich ist, diese Länder immer weiter in die „Schuldenfalle“ zu ziehen, solange wird an der „Spekulation“ verdient – auch Deutschland verdient daran.

Erst wenn es zum „Showdown“ kommt, dann werden die Spekulationsverluste offensichtlich und die „Steuergelder“ sind verpufft.

Fragt man sich also, warum das Ganze?

Nur DAS ist unsere moderne globale Welt – Gewinne werden privatisiert(Banken heimsen ein), Verluste werden sozialisiert(Steuerzahler wird belastet).

Wer DAS einmal begriffen hat, der hat nur die Wahl daraus zu kommen, in dem er die Politik ändert (abwählt), die dafür verantwortlich ist.

Solange aber das Wahlvolk immer zwischen Rot/Grün oder Schwarz/Gelb hin und her pendelt, solange wird sich NICHTS ändern, denn alle Show-Politiker haben kein Interesse daran, sich vom Volk vorschreiben zu lassen, was sie tun sollen und was nicht.

Dabei hat das Volk wirkliche Fachleute (wie u.a. Abelshauser) die beratend zur Seite stehen könnten, ohne das sie in eine parteiliche Richtung „gepresst“ werden.

Die „repräsentative Republik“ hat ausgedient, wir brauchen für die schwierigen, globalen Probleme FACHLEUTE und keine SHOW-POLITIKER!!!!!!!!!!!